Srebrenica

Purpurflügel

Street graffiti in Mostar, Bosnia and Herzegovina Street graffiti in Mostar, Bosnia and Herzegovina

Und ich weine.
Bittere Tränen.
Strömen.

Und ich weine.
Weil achttausensechshundertzweiundsiebzig Menschen ermordet wurden.
Es waren Muslime, aber darum weine ich nicht.
Ich weine,
weil es Mütter waren,
Kinder, Babies, Väter, Onkel,
Tanten, Brüder, Schwestern,
Alte, Junge,
weil es Menschen waren
wie ich.

Und ich weine.
Weil die Zahl der Toten noch immer steigt,
weil es passiert,
noch heute! noch immer!
und genau in diesem Moment.

Ja ich weine!
Weil ich die Rufe all der Menschen hören kann,
die in diesem Moment sterben,
grausam ermordet werden
vor den Augen der Welt.

Ja ich weine!
Weil ich den Schmerz der Menschen spüren kann,
die die Gebeine ihrer Liebsten ausgraben
aus einem namenlosen Massengrab,
und sie allein an ihren Fingerspitzen wiedererkennen.

Ja ich weine!
Weil ich die Augen all der Menschen sehen kann,
die zu viel gesehen haben,
bis auf den Grund gebrochen von Furcht,

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Ich betrog mich einst selbst, als ich dachte der Baum neige sich für mich, doch musste ich wohl herausfinden, dass er dies tat um den Blumen alle Tage sein liebliches Antlitz zu schenken…

Bist du am Leben interessiert?

Hör nicht auf, für das zu leben, an was du glaubst.
Glaub an dich und schöpfe Vertrauen und Kraft aus deiner Familie, die Nacht für Nacht deine Seele bewacht und dich liebt, ganz egal, was du tust, was geschieht, die dich wie eine Hülle umgibt, wenn du dieses Glück hast, hast du fast gesiegt, fast gesiegt.

Manches Leben läuft schnell, es ist nicht immer hell, es ist schwer, was zu sehen und im Dunkeln zu gehen, doch sei dir bewusst, deine Vorfahren hatten schwerste Wege, und wenn dein Herz noch für sie schlägt, dann weißt du genau, dass ihr Blut durch dich fließt, es macht dich sogar schlau durch Talente, die du kriegst, die sich dein Clan vielleicht vor 300 Jahren durch schwere Arbeit hart erwarb, auf was du jetzt zurückgreifen kannst.
Zurück in der Zeit, back in time – du verfügst über Wissen von mehr als 10.000 Jahren, frag deine Ahnen, deine Vorfahren. Sie heißen Vorfahren, obwohl du vorfährst, sie können nur ahnen, wo du sie hinfährst.

Hast du den Plan oder bist du verkehrt?
Dann kehre in dich, lass dich gehen, du musst deine Seele von innen sehen.
Du musst die Familiengruft bei Tag begehen.
Obwohl du nicht tot bist, frag ich dich:
Bist du am Leben, bist du am leben, bist du am leben, bist du am leben, bist du am leben,
Bist du am Leben interessiert? Hast du dieses Wunder schon kapiert? Kannst du die alten Lieder singen, die tief in deiner Seele kingen? Lasst uns diese Lieder rausbringen! Das ganze Volk soll sie singen. Lasst uns diese Lieder rausbringen!

Wenn eins deine Sinne verwischt, weil der wärmste und hellste Stern am Himmel erlischt, du den Mut und all die Zuversicht verlierst und spürst, dass irgendwas in dir zerbricht, dann hör auf die Stimme, die spricht, hinder‘ sie nicht, denn sie weiß, wie sie geht, und zeigt dir den Weg zurück nach Haus – du kennst ihn auch!
Erinnere dich an das, was du längst weißt, und was eigentlich keine Frage ist!
Du bist nicht schwach, du weißt, wie stark du bist, also ruf das wach, was eingeschlafen ist!
Das Leben ist schwer zu durchschauen und fühlt sich unreal an, so als wäre es ein Traum, und man weiß nicht wirklich, wer Freund oder Feind ist und es fällt schwer zu vertrauen.
Aber mach dir bewusst, dass du all diesem Frust vielleicht noch sehr lang standhalten musst. Du brauchst ein starkes Herz, aber kein hartes, sonst wird es kalt in der Brust.

Eins haben Feiglinge nie erkannt: Man kann wachsen am steigenden Widerstand. Also sei wie ein Krieger, Mann, nimm wieder am Leben teil und peil deine Ziele an! Denn auch wenn deine Umstände widrig sind, kannst du Pläne zu schmieden beginnen, egal wie groß die Risiken sind, all dein Einsatz wird sich lohnen, denn es gibt viel zu gewinnen.
Du spürst das tief in dir drin, wenn die Melodien dieser Lieder erklingen, deine Seele umarmen und die Tränen der Wahrheit zu fließen beginnen. Siehst du den Sinn? Ob alt oder jung, ob blind, ob stumm, die ohne Zeit oder die mit Geduld, sieh dich an, schau dich um, auch du bist ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Aber auch wie das Küken aus der frischen Brut spürt er, wie der Krieg uns nicht gut tut. Eine ganze Generation schöpft Mut, die ganze Generation einer Nation setzt sich den Frieden wie auf einen Thron.

Die ihr den Krieg liebt, was wisst ihr schon? Ihr liebt eure Kinder nicht wie Tochter und Sohn, liebt eure Kinder wie Korn, Rind und Huhn. Ich sag dir, Liebe hat damit nichts zu tun, wer den Krieg liebt, erntet von mir Hohn, lautes Gelächter und lauteres Drohen, in Form von Liedern, die Herzen durchbohren! Mögen die in der Hölle schmoren, die Selbstmordattentäter auserkoren, um ihre Drecksarbeit zu tun, mögen sie nie in Frieden ruhen!

Bist du am Leben interessiert? Hast du dieses Wunder schon kapiert? Kannst du die alten Lieder singen, die tief in deiner Seele klingen? Lasst uns diese Lieder rausbringen! Das ganze Volk soll sie singen. Lasst uns diese Lieder rausbringen! Das ganze Volk soll sie singen! Lasst uns diese Lieder rausbringen!

© Xavier Naidoo

Zum Schreien zumute

Neben mir saß ein Mann, er stank und Laub und Erde hatten sich in seinem Fließpullover verfangen. Sein Haar war strähnig und ungewaschen, seine Hände rauh und knittrig.
Er hatte die Nacht sicher im Gebüsch verbracht, auf kalter Erde schlafend, über ihm ein eisblauer Sternenhimmel. Lose in seinen Händen lagen Fahrscheine, und sein Körper sank immer wieder vornüber.
Die Frau ihm gegenüber hielt sich ein Taschentuch vor die Nase.
Ich fragte mich, ob die nächtliche Kälte wohl schon gänzlich aus seinen Gliedern gewichen war. Dann: Ob sie wohl überhaupt jemals wieder weichen würde oder ob sein Inneres nicht schon von ewigem Frost umgeben war, so wie in der Tundra der Permafrostboden niemals ganz taute.
Plötzlich ergriff mich eine eigene innere Kälte, eisige Hände krampften sich um mein Herz. Denn nicht er war zu bedauern, der sich keine Wohnung und keine Dusche leisten konnte, und trotzdem artig einen S-Bahn-Fahrschein löste, nicht er litt an Kälte, nein wir waren es, alle die wir da um ihn herum saßen und versuchten ihn nicht zu sehr anzustarren und nicht zu sehr zu atmen.
Denn wie kalt müssen wir sein, dass wir ihm nicht unsere Türen öffnen und sagen „Hier hast du etwas Frisches zum Anziehen, nimm ein heißes Bad, bis du dich bis ins Mark sauber fühlst, bleib eine Nacht oder nimm dieses Geld für eine Übernachtungsmöglichkeit.“ Da saßen wir, auf dem Weg zur Arbeit, Frühstück und heißen Kaffe im Bauch, und nichts rührte uns an diesem Mann, der einfach nur das Pech hatte am unteren Ende der Gesellschaftsleiter zu sitzen. Nichts rührte uns. Kalt waren wir, schon längst abgestorben im Herzen, dort, wo die Seele sitzt, die uns als Menschen verbindet. Verbunden hat, einst. Bevor wir erfroren an Wohlstand und Egozentrik, Konsum und Lieblosigkeit.

In diesem Moment des Begreifens fiel der Tag in sich zusammen wie ein einstürzendes Gebäude, und ich wünschte nichts anderes als darunter begraben zu werden vor Scham.

26. März 2014

Die Gedanken einer Suchenden

Hügel voller Schmerzen
Häupter voller Drang
Herzen voller Sehnsucht
Zimmer voller Klang
Du bist nicht vergessen
Und ich bin immer noch hier
Bin ich nun besessen?
In meinem Kopf ist noch das ‚Wir‘
Möcht‘ ich doch verdrängen
Die liebliche Erinnerung,
Ich mich schleunigst hängen
In meinem Seil haust noch der Schwung
Könnt‘ ich wieder schmecken
Das Leben in allen Farben
Und nicht mehr stecken
In der Seele voller Narben
Du, oh, seid’ne Wand
Fall‘ hinab, versinke
Und lass‘ diese Schand‘
Zieh’n in das Niemandsland!Screenshot_2014-12-15-18-53-10-1

Melancholia

Versunken in meiner Melancholie denke ich nach über all das, was mir durch die Finger rinnt. Das Leben, das Schicksal, die musizierende Stille, die mich umgibt in den Momenten der Trauer und der Glückseligkeit zugleich. Welch ein Phänomen es doch ist, dass so viele süße Gefühle sich auf den gleichen Zeitpunkt einigen als gäbe es keine andere Möglichkeit mehr. Das Gerede wird mir zu viel, wenn ich merke, dass da die Nostalgie leise an die Tür klopft und sich trotzdem einen lauten schmerzvollen, wuchtartigen Eintritt in mein Innenleben verschafft. Und obwohl es manchmal unertragbar ist, ist sie willkommen in meiner unscheinbaren Welt, die nun nur noch aus zerbrechlichem Kristallglas zu sein scheint.